Das Lächeln einer Mutter

Da stand er nun, der kleine Junge, und schaute erst seine Mutter, dann seine Schwester ratlos durch die Scheibe an. Kein „Pain au chocolat“ mehr. Die letzten beiden Exemplare dieser leckeren Backware wurden gerade in eine Tüte gesteckt, und sollten mir überreicht werden. Ja, ich war Schuld, mal wieder, diesmal am Unglück einer Mutter, einem bevorstehenden Familienkrach und vier weinenden Kinderaugen.

Dabei hatte ich die Bäckerei ohne spezifischen Wunsch betreten, gut gelaunt nach ausgiebiger sportlicher Aktivität. Die Sonne schien und der Junge war gerade mit seiner Mutter und seiner Schwester vor dem Bäckerladen angekommen. Ich huschte an ihnen vorbei in den Laden, während sie noch die Fahrräder abstellten. Dabei hatte ich es nicht einmal besonders eilig, ich wollte dennoch schnell wieder nach Hause.

Ich trat ein, schaute mich um, mein Blick fiel auf ein Schild und prompt bestellte ich zwei von diesen mit Schokolade gefüllten Brötchen. Der Junge kam herein und sah, wie das letzte Pain au Chocolat in einer Tüte verschwand. Verzweifelt sah er seine Mutter an, die Mutter blickte mich an, ich zuckte entschuldigend mit den Schultern. Ich gab mir einen Ruck, fragte die Verkäuferin:“Ce sont les derniers pains au chocolat?“. Sie nickt, ich überlegte kurz, schaute wieder die Mutter an und sagte schließlich, dass die beiden Brötchen für den Jungen seien. Der Junge strahlt erst mich, dann seine Mutter und Schwester an, die mich beide anlächelten – wobei die Frau dabei tief durchatmete.

Ich schaute mich nach anderem Backwerk um, wartete, bis der Junge bezahlt hatte und bestellte etwas, das einer Apfeltasche ähnlich schien. Als ich hinaustrat, bedankte sich die Mutter erneut bei mir, mit einem strahlenden Lächeln, und auch ihr Sohn und ihre Tochter folgten brav der Anweisung ihrer Mutter. Ich nickte, lächelte und ging meines Weges.

Als ich daheim in meine Apfeltasche biss, meinen Kaffee trank, konnte ich die Freude der Mutter, der Kinder nach wie vor spüren, schmeckte sie, als ich in meine Apfeltasche biss. Ich hatte mir einen Moment des Glückes verdient, ganz ohne Verzicht, ganz ohne Reue.

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