Zu Ehren von Douglas Adams: Oolon Colluphid

Wer Per Anhalter durch die Galaxis gelesen hat, kennt ihn und die Titel seiner Werke genau: Oolon Colluphid. Wie bei einem Autor aus einem Science Fiction-Roman nicht anders zu erwarten, ist uns dieser Religions- und Sexualphilosoph in vielerlei Hinsicht voraus. Bereits seine drei ersten Werke Wo Gott sich irrte, Noch ein paar von Gottes grössten Fehlern und Wer ist dieser Gott überhaupt? verbanden auf geradezu geniale Weise die Kant’schen Kernfragen der Religionsphilosophie und der Erkenntnistheorie – „Was darf ich hoffen?“ und „Was kann ich wissen?“ – mit den Erfahrungswerten der menschlichen Zivilisationen seit dem 20.Jahrhundert. Diese Erfahrungen führen Colluphid zu einer Weltsicht, die der Schöpfung des Universums äußerst kritisch gegenübersteht:  „The story so far. In the beginning the universe was created. This made a lot of people very unhappy and has widely been regarded as a bad move.“ Diese These, wonach bestimmte Dinge lieber nicht verwirklicht und schon gar nicht zum Vorschein kommen sollten, vertritt der Philosoph auch in seinem Werk Was sie noch nie über Sex wissen wollten, aber rauszufinden gezwungen waren. Da auf dem Feld der Sexualität jeder Leser, weiblich wie männlich, seine eigenen unschönen Entdeckungen gemacht hat, soll dieses Thema hier nicht weiter vertieft werden.

Auf Basis dieser schöpfungs- wie reproduktionskritischen Sicht gelingt es Colluphid nun, unter Zuhilfenahme der Logik, anhand des Babelfisches die Existenz Gottes zu widerlegen. Die Argumentation, im Einzelnen dargelegt in Colluphids bahnbrechendem Werk Na, lieber Gott, das wars dann wohl, wird von Douglas Adams in folgendem Zwiegespräch wiedergegeben:

  • „Ich weigere mich zu beweisen, dass ich existiere“, sagte Gott, „denn ein Beweis ist gegen den Glauben, und ohne Glauben bin ich nichts.“
  • „Aber,“ sagte der Mensch, „der Babelfisch ist doch eine bewusste Offenbarung, nicht wahr? Er hätte sich nicht zufällig entwickeln können. Er beweist, dass es dich gibt, und darum gibt es dich, deiner eigenen Argumentation zufolge, nicht. Q.e.d.“
  • „Ach, du lieber Gott,“ sagte Gott, „daran habe ich gar nicht gedacht“, und löste sich prompt in ein Logikwölkchen auf.
  • „Na, das war aber einfach,“ sagte der Mensch und bewies, weils gerade so schön war, dass Schwarz gleich Weiß war, und kam wenig später auf einem Zebrastreifen ums Leben.

Damit weist er über Kant hinaus, der die Existenz oder Nichtexistenz eines Gottes (oder mehrerer Götter) auch mit Hilfe der Vernunft weder für beweisbar noch für widerlegbar hielt (siehe Kant, Kritik der reinen Vernunft). Insofern ist Colluphid ein Hoffnungsträger der modernen atheistischen Philosophie, deren Vertreter nun entspannt die Entdeckung des Babelfisches erwarten. Es bleibt für sie zu hoffen, dass dies der von Douglas Adams beschriebenen Sprengung der Erde durch die Vogonen vorausgeht. Bis dahin sammeln die Anhänger Oolon Colluphids Fehler in der Entwicklung und Konzeption des Universums, die belegen sollen, dass der Schöpfung unmöglich ein göttlicher Wille innewohnen könne. Daraus erklärt sich, warum Colluphids Anhänger ebenso wie die weitergefasste Fangemeinde Adams‘ zu den stärksten Widersachern der Kreationisten gehören. Allein hierfür gebührt Douglas Adams ein besonderer Platz in der Geschichte der Literatur, der Philosophie und der Vernunft.

Übrigens: Wer das Buch jetzt lesen will, kann es hier auch online geniessen – in diesem Sinne: Keine Panik!

Douglas Adams ist viel zu früh verstorben und wäre heute 61 Jahre alt geworden.

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