Reblogged: Eine Geschichte über meine Generation?!

Ich schreibe eine Geschichte über meine Generation und komm einfach nicht weiter. Woher kannte ich diesen Satz? Seit Wochen saß ich nun vor dem Bildschirm, der stets bockig war und weiß blieb. Eine Geschichte über meine Generation wollte ich schreiben. Etwas, das sie ausmachte, mich ausmachte, uns alle verband. Doch was war das? Ich steckte fest, oder war das unbeschriebene Blatt Papier „unsere Generation“? Mußten wir unsere Geschichte erst noch erleben?

Ich wälzte Bücher, sah mir Filme an. Ging geschichtliche Daten durch. Den Fall der Mauer als Teenager erlebt. Hat es uns verändert? Wir haben 16 Jahre Kohl er- und überlebt. Hat es uns geschädigt? Aus den Tiefen der Ignoranz stieg George W. Bush auf. Was sollte uns das sagen? Ist die Geschichte unserer Generation, dass wir noch die größten Umwälzungen, die dümmsten Machthaber und die schlechteste Politik mit stoischem Gleichmut über uns ergehen lassen? Ist der Beitrag meiner Generation, sich eines Beitrages zu enthalten?

Ich gehe durch die Straßen, höre Musik und schaue in unsere Gesichter. Leere. Ziellosigkeit. Wenn überhaupt sind wir die Generation, die Aufräumen darf. Reparieren. Wir sind die Generation der Reparateure. Atommüll, Klimawandel, Terrorgefahr, Sozialsystem, Gesundheitsversorgung, Integration, das Finanzsystem, alles renovierungsbedürftig oder komplett abrissreif. Die letzten Generationen kippen uns ihren Müll vor die Füsse, und wir dürfen unseren Kindern diesen Mist erklären. Deshalb zeugen wir auch so wenige, denn wer will so was schon erklären oder gar rechtfertigen?

Nein, unsere Generation ist kein unbeschriebenes Blatt. Wir sind das vergessene Heft, mit Eselsohren und Kaffeeflecken bedeckt, und warten darauf aufgeschlagen zu werden. Vielleicht wird das nie passieren. Wenn niemand die Kraft findet, die erste Seite selbst aufzuschlagen, wird diese Generation nichts prägen. Nur geprägt worden sein. Zugerichtet. Nach dem Bilde der letzten Generationen. Die Form stimmt, der Inhalt ist belanglos. War das unsere Generation?

Wir fügen uns in ein System ein, das nicht das unsere ist, nicht das unserer Zeit. Wir merken, die Jacke passt nicht, aber wir haben es lieber unbequem als uns aufzulehnen. Banken verbrennen unsere Zukunft, wir betreiben private Altersfürsorge. Ist das unserer Generation? Musikhörend durch die Welt gehen und sie spurlos wieder verlassen? Als wären wir nie da gewesen?

Bei den Wikingern galt der Nachruhm als das Größte, was ein Krieger erreichen kann. Welchen „Ruhm“ häufen wir in der Gegenwart an? Die Braven werden vergessen sein. Das wäre der Refrain unserer Generation. Bis jetzt. Denn noch habe ich Hoffnung, fangen wir vielleicht erst an? Die besten sterben jung, aber jung sterben heißt heute doch nur nicht 100 zu werden. Das birgt noch die Chance auf über 60 Jahre Revolution. oder Rebellion. oder Veränderung. oder… weniger.

Langsam gehe ich durch den Park. Wie meine Generation laufe ich angepasst hindurch, keine Experimente. Vielleicht ist es auch einfach schwer geworden zu provozieren, vielleicht ist unsere Generation dafür schon zu alt. Aber handeln wird sie müssen, denn bald tragen wir diesen maroden Laden. Grübelnd laufe ich weiter, warum fällt mir einfach sonst nichts ein. Da, eine Textzeile: „Ich schreibe ein Lied über meine Generation und komm einfach nicht weiter“. Es geht mir da ganz ähnlich. Nur anders.

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Comments
One Response to “Reblogged: Eine Geschichte über meine Generation?!”
  1. …oh mann. Das trifft`s, wenn man bedenkt dass das meiste was „wir“ schaffen auf Datenträger liegen die keine 20 Jahre lesbar sind bleibt von „unserer“ Kultur relativ wenig über die Jahrzehnte erhalten.

    Vielleicht auch besser so.

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