Fatale Symbolik: Schwarz-gelb allein zu Haus

Eigentlich wollte ich mich nicht mehr zum Bundespräsidenten äußern. Eigentlich war alles gesagt, und eigentlich ist das Thema überstrapaziert. Aber durch zahlreiche Absagen hat der heutige Zapfenstreich eine eigentümliche Symbolik erhalten: Schwarz-gelb bleibt in Bellevue allein. Unter Fackeln, mit militärischen Ären. Es wirkt wie das letzte Aufgebot einer Regierung, nein einer Politik jenseits von Realität und demokratischer Legitimation. Das Kabinett verabschiedet „seinen“ Präsidenten, der öffentliche Druck zwingt ihnen jemanden anderen auf. Einsam und verlassen werden sie dort stehen, die Schwarz-Gelben, und der Zapfenstreich wird so von der Ehrenbekundung einer der Demokratie verpflichteten Armee zum Ausdruck des letzten Aufgebots einer gescheiterten Kanzlerin und ihres Präsidenten: Die letzten Getreuen versammeln sich unter einem imaginären Regenbogen, während die Welt sich weiterdreht. Auf diese Weise wird der heutige Abend wie ein männerbündlerisches Ritual aus vordemokratischer Zeit wirken. Und ab morgen wird es dann für schwarz-gelb heißen: Letzte Zuflucht Kanzleramt.

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